Das Programm

SA, 13. April 2024
19:30 Uhr, Seetelhotel Villa Esplanade
Seebad Heringsdorf

Moderierte Lesung und Gespräch mit Jon Fosse und NDR Kultur-Moderator Joachim Dicks sowie Hinrich Schmidt-Henkel (Übersetzer)

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Jon Fosse – Foto: Tom A. Kolstad

Jon Fosses Erzählkunst ist ein Gebet in Prosa, einer Wiederbelebung einer Literatur, die Gott erscheinen lässt und die in der postmodernen Welt oft vergessen wird. Seine Geschichten, geboren aus der Kälte der norwegischen Fjordlandschaft, sind Orte der Innenschau und der langsamen Wege, Orte der Selbsterschaffung seiner Figuren. Fosse erschafft einen endlosen Bewusstseinsstrom, der wachsam und offen bleibt, rhythmisch und zyklisch, voller Wiederholungen, die den Leser zum Wiedererkennen und Aufmerken einladen. Seine Erzählungen sind eine Mischung aus Historie und persönlicher Geschichte, die es nicht bei einer simplen Anklage belässt. Es ist ein Erzählen, das immer wieder, notwendigerweise, auf das zurückkommt, wonach der Erzähler – und seine ihm ähnelnde Figur – jenseits der Literatur sucht; „in der Stille ist Gott zu hören und im Unsichtbaren ist er zu sehen“, heißt es einmal im Roman. Mit stimmungsvollen Klängen auf dem Flügel ergänzt die Pianistin Hideyo Harada diese Lesung mit Werken von Edvard Grieg.

Teilnehmende auf der Bühne

Jon Fosse

1959 in der norwegischen Küstenstadt Haugesund geboren und am Hardangerfjord aufgewachsen, gilt als einer der bedeutendsten europäischen Schriftsteller unserer Zeit. 2023 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Internationale Bekanntheit erlangte Fosse zunächst als Dramatiker. Seine mehr als dreißig Theaterstücke werden weltweit aufgeführt und brachten ihm zahlreiche Preise ein. In deutscher Übersetzung erschienen zunächst die Romane „Melancholie“, „Morgen und Abend“ und „Das ist Alise“. Für sein Prosawerk „Trilogie“ bekam er 2015 den Literaturpreis des Nordischen Rates verliehen, den renommiertesten Literaturpreis Skandinaviens. Mit „Der andere Name“, dem ersten Band seines Romanprojekts „Heptalogie“, war er 2020 für den International Booker Prize nominiert, mit dem letzten Band „Ein neuer Name“ stand er 2022 auf der Shortlist und wurde mit den wichtigsten norwegischen Literaturpreisen Brageprisen und Kritikerprisen ausgezeichnet. Seit 2011 genießt er lebenslanges Wohnrecht in der „Grotte”, einer Ehrenwohnung des norwegischen Königs am Osloer Schlosspark, und lebt mitunter auch in Hainburg an der Donau/Österreich oder in Frekhaug/Norwegen. Seit 2022 ist er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.

Joachim Dicks

Für Joachim Dicks war die berufsbedingte Begegnung mit Filmschaffenden, Bildenden Künstlern, Theatermachern und Schriftstellern nach dem Studium der Philosophie, der deutschen und italienischen Literatur eine logische Konsequenz: Theorie braucht eben Praxis! Was ist schon Geist ohne Fleisch? Seit 1996 arbeitet er jetzt fürs Radio, zuerst als Autor, dann als Redakteur und Moderator für die aktuelle Kulturredaktion in Hannover und inzwischen für die Abteilungen Radiokunst und Literatur.

Hinrich Schmidt-Henkel

, 1959 geboren, arbeitet seit 1988 als Übersetzer für norwegische, französische und italienische Literatur. 2000 erhielt er den Jane-Scatcherd-Preis der Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Stiftung und 2004 den Paul-Celan-Preis des Deutschen Literaturfonds.

Hideyo Harada

„Ob glühende Emotion oder traumverlorene Poesie, ob sanft oder wild: Harada lässt sich von der Musik mitreißen, vom zarten Akkord bis zur Raserei schöpft sie alle Gefühlsregungen klanglich aus“, so die Süddeutsche Zeitung über die japanische Pianistin Hideyo Harada. Mit ihrem breitgefächerten Repertoire ist sie heute ein gern gesehener Gast bei internationalen Festivals und konzertiert mit bedeutenden Orchestern. Hören kann man die Pianistin regelmäßig beim Usedomer Musikfestival