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Rumänien: Mehr als nur ein Land am NebentischDienstag, der 3. April 2012 11:02 Uhr
Erfolgreiche Bilanz der Literaturtage unter dem Thema „Wortreiche Landschaften zwischen Ostsee und Karpaten“ Usedomer Literaturtage gehen mit Verleihung des Usedomer Literaturpreises an Olga Tokarczuk zu Ende

Seebad Ahlbeck, 1. April 2012
Pressemitteilung
Mit der Verleihung des Usedomer Literaturpreises gehen heute, am 1. April, die Usedomer Literaturtage 2012 zu Ende. In einer feierlichen Veranstaltung um 11 Uhr im Atelier Otto-Niemeyer-Holstein, Koserow, überreicht die Preisträgerin 2011, Radka Denemarková, die Auszeichnung an die polnische Autorin Olga Tokarczuk. Die Laudatio hält Marta Kijowska, die als Übersetzerin und Journalistin mit besonderem Schwerpunkt auf polnischer Literatur und Geschichte in München arbeitet. Die Jury, bestehend aus Prof. Dr. Hellmuth Karasek, Dr. Andreas Kossert und Dr. Doris Lemmermeier, schrieb in der Begründung: „Olga Tokarczuk erhält den Usedomer Literaturpreis für ihr bisheriges literarisches Schaffen sowie für die literarische und intellektuelle Manifestierung der Region Niederschlesien in der europäischen Geschichtserfahrung und in der polnischen Sprache. Ihre mutigen, bisweilen radikalen Inhalte kleidet sie in klare, ruhige Worte und erschafft eine geheimnisvolle Poesie.“ Die 1962 geborene Autorin gilt als eine der bekanntesten und bedeutendsten polnischen Schriftstellerinnen. Ihre Werke sind mehrfach ausgezeichnet und wurden in 23 Sprachen übersetzt. Gerade arbeitet Olga Tokarczuk an einem Drehbuch zur Verfilmung ihres 2011 erschienenen Romans „Der Gesang der Fledermäuse“.
In ihrer Dankesrede formulierte Olga Tokarczuk: „Es ist mir bewusst, dass ich heute nicht hier stünde, wenn es mein leidenschaftliches, ja, obsessives Lesen nicht gäbe. Es gibt keinen Zweifel daran, dass ich aus Büchern entstanden bin, und dass ich nun, als Autorin, meinen Lesern das zurück gebe, was ich der Literatur verdanke. Auf dass wir in diesen unruhigen, ungeduldigen Zeiten, den Zeiten, in denen Bilder und der rasche Informationsaustausch triumphieren, diese Fähigkeit nicht verlieren – diese außergewöhnliche, magische Fähigkeit des Lesens und des Erlebens von Büchern.“
Basierend auf der thematischen Ausrichtung der Literaturtage, werden jährlich Literaten ausgezeichnet, die sich in hohem Maße dem europäischen Dialog in Geschichte und Gegenwart verpflichtet fühlen. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis, gestiftet von der Seetel Hotelgruppe und den Usedomer Literaturtagen, beinhaltet darüber hinaus einen vierwöchigen Aufenthalt auf der Insel Usedom, im Romantikhotel Ahlbecker Hof. Damit soll auch in Zukunft der Gedankenaustausch gefördert und die literarische Tradition auf der Insel, verbunden u.a. mit Maxim Gorki, Theodor Fontane und Thomas Mann, fortgeführt werden.
Erfolgreiche Bilanz
Die Usedomer Literaturtage widmeten sich vom 28. März bis 1. April 2012 den wortreichen Landschaften zwischen der Ostsee und den Karpaten. In Lesungen und Gesprächen blätterten namhafte Schriftsteller, Publizisten und Filmemacher die multikulturelle Geschichte Rumäniens auf und begaben sich auf deutsche Spurensuche in den Regionen Siebenbürgen, Banat und Bukowina. Mit der thematischen Dichte und der inhaltlichen Qualität haben sich die Literaturtage auf der deutsch-polnischen Insel zu einem wichtigen Podium für den südosteuropäischen Austausch entwickelt. Jedes Jahr versammeln sich die prägendsten Literarten und Kenner mit diesem Schwerpunkt auf Usedom.
Wie in den vergangenen Jahren fand das Programm der Literaturtage, zusammengestellt von Thomas Schulz (Referent des Deutschen Kulturforums östliches Europa), reges Interesse und versammelte zahlreiche Literaturinteressierte in sehr gut besuchten Sälen. Eröffnet wurden die Usedomer Literaturtage am Mittwochabend in Heringsdorf mit dem Dokumentarfilm „Die Wahrheit über Dracula“ von Stanislaw Mucha, der mit eindringlichen Bildern und einer großen Portion Ironie und Humor ein Portrait des heutigen Rumäniens zeichnete. Skurriles traf hierbei auf Nachdenkliches, was in den Köpfen der Zuschauer für langen Nachhall sorgt. Im Anschluss an den Film diskutierten Tanja Dückers, Ilma Rakusa, Ernest Wichner und Stanislaw Mucha über den Landstrich, der einst von Deutschen geprägt wurde, die dort heute jedoch kaum noch anzutreffen sind.
Die Polin Joanna Bator und die deutsche Autorin Eleonora Hummel berichteten am Donnerstag in Swinemünde über die von ihnen erlebte Zeit des Sozialismus. In der deutsch-polnischen Veranstaltung, moderiert vom Dramaturgen der Usedomer Literaturtage Thomas Schulz, standen zwei Familienromane im Mittelpunkt, die aus der Perspektive der Frau von Ängsten, Problemen und Träumen in einem freiheitsberaubten sozialistischen System erzählen.
Mit dem Buch „Rote Handschuhe“ von Eginald Schlattner und der dazugehörigen bildgewaltigen Verfilmung von Radu Gabrea bewegte die Veranstaltung im restlos ausverkauften Saal des Hotel Palace in Zinnowitz. Thematisiert wurden die unmenschlichen Verhältnisse im stalinistischen Rumänien anhand der autobiografischen Geschichte des Siebenbürger Pfarrers Eginald Schlattner. Das anschließende Gespräch mit dem Schriftsteller und dem Regisseur führte Andreas Kossert und beleuchtete die Situation in den 50er Jahren, in denen die rumänische Staatsmacht mit diktatorischen Werkzeugen Menschen unterdrückte und zerstörte.
Einer der geistreichsten Köpfe des Klaviers und der Poesie, Alfred Brendel, war am Samstag im Steigenberger Grandhotel und Spa, Heringsdorf, gemeinsam mit dem Moderator Manfred Osten zu erleben. Alfred Brendel sprach vom musikalisch Komischen in den Werken von Haydn, Mozart und Beethoven. Dabei spürte er pianistisch und wortgewandt mit seinen spitzfindigen Gedichten das Komische in der Welt der klassischen Musik auf.
Unter dem Titel „Mit deutschem Migrationshintergrund auf dem Balkan“ widmeten sich die Schriftsteller Jan Koneffke (Deutschland) und Filip Florian (Rumänien) in der von Georg Aescht moderierten Veranstaltung am Samstagabend im Schloss Stolpe den deutschen Auswanderern in der rumänischen Hauptstadt Bukarest zu verschiedenen Zeiten der Geschichte. Besucht wurde die Lesung von der Gesandten der Rumänischen Botschaft in Berlin Adriana Stanescu.
Außerdem stellte am Freitag Arne Franke sein Buch „Das wehrhafte Sachsenland“ über die Kirchen in Siebenbürgen vor. Moderiert wurde der Nachmittag vom Südosteuropa-Referent am Deutschen Kulturforum östliches Europa Harald Roth. Am Donnerstagnachmittag konnte man im Ahlbecker Hof Oskar Ansull auf seiner literarischen Reise nach Czernowitz folgen.
Ergänzt wurde das Programm durch die Literarische Inselrundfahrt und einer Schülerlesung mit Sarah Jana Portner und Paulina Schulz. Noch bis Ende April ist die Ausstellung „In Tallinn leben – Geschichten von Menschen und Häusern“ von Sarah Jana Portner in der Villa Irmgard in Heringsdorf zu sehen. Zu entdecken sind Bilder aus Tallinn, die die Schriftstellerin als Stadtschreiberin in der estnischen Hauptstadt aufgenommen hat.
Die Usedomer Literaturtage sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Usedomer Musikfestivals in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa sowie der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf. Wie in den letzten drei Jahren übernahm der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern Erwin Sellering die Schirmherrschaft. Kulturpartner ist NDR Kultur.
Weitere Informationen: 038378.34647 www.usedomer-literaturtage.de
Donnerstag, der 29. März 2012 17:11 Uhr
Kleine musikalische Teufel: Pianist Alfred Brendel im Gespräch mit Manfred Osten
Mit deutschem Migrationshintergrund auf dem Balkan - Lesung im Schloss Stolpe
Pressemitteilung
29. März 2012
Der Pianist, Schriftsteller und Poet Alfred Brendel ist am Samstag, den 31. März, 11 Uhr, im Steigenberger Grandhotel und Spa in Heringsdorf, zu erleben. Im Gespräch mit dem Essayisten und Kulturhistoriker Manfred Osten steht das Komische und der Unsinn in der Musik im Mittelpunkt des Vormittags. Laut eigener Aussage wurde der Name „Brendel“ im Mittelalter mit „Teufel“ übersetzt. Diese „kleinen Teufel“, die den Unsinn lieben und die Welt als Selbstschutz immer mit einem Lächeln sehen, tauchen in Brendels Gedichten und Geschichten immer wieder auf.
Alfred Brendel, geboren in der Tschechoslowakei siedelte in frühen Jahren mit seiner Familie nach Jugoslawien über, später nach Österreich und England. Während seiner Zeit als Pianist spielte er auf den größten Konzertpodien weltweit und erhielt eine Vielzahl von Auszeichnungen, unter anderem die Ehrendoktorwürden der Universitäten von Oxford, London und Yale. Joachim Kaiser sieht Brendel als den wichtigsten und bedeutsamsten Schubert-Interpreten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nachdem er sich 2008 von der Konzertbühne verabschiedete wird er als Musikschriftsteller und Dichter gefeiert.
Während der k.u.k. Monarchie prägte die Hauptstadt der Bukowina, Czernowitz, Literaten wie Karl Emil Franzos, Paul Celan, Rose Ausländer oder Alfred Gong. Der Schriftsteller Oskar Ansull gibt am Samstag, 31. März, 15 Uhr, im Ahlbecker Hof Einblicke in die literarische Geschichte des Ortes Czernowitz, der in der heutigen Ukraine liegt und zwischen den Kriegen rumänisch war. Während es die meisten Literaten im späteren Lebensabschnitten nach Bukarest, Wien oder Paris zog, wurde die Sehnsucht nach der Ferne für viele ein Kampf ums eigene Überleben. Oskar Ansull zieht die Fäden, die in die Ferne und ins Nichts gespannt sind, zusammen und macht sich auf eine Rückreise ins literarische Czernowitz.
Mit deutschen Wurzeln in einem unbekannten Land – die Schriftsteller Jan Koneffke und Filip Florian widmen sich in ihrer Lesung am Samstag, den 31. März, 19 Uhr, im Schloss Stolpe deutschen Auswanderern in der rumänischen Hauptstadt Bukarest zu verschiedenen Zeiten der Geschichte. In „Die Tage des Königs“ beschreibt Filip Florian das Schicksal eines deutschen Zahnarztes im Bukarest des 19. Jahrhunderts. Völlig auf sich allein gestellt findet er sich nach mehreren Schicksalsschlägen in einer für ihn völlig fremden Umgebung wieder. Die Hauptfigur in Jan Koneffkes Roman „Die 7 Leben des Felix Kannmacher“ flüchtet 1934 aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Bukarest. Als Fremder unter falschem Namen, als der Siebenbürger Johann Gottwald, irrt er in einem ihm unbekannten Land, zur Zeit als die Nazis Bukarest besetzten und Rumänien an die Russen fiel. Das Einzige was ihn die gesamte Zeit über hinweg begleitet, ist die Beziehung zu seiner Jugendliebe.
Auch die vierten Usedomer Literaturtage sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Usedomer Musikfestivals in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa sowie der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf. Wie in den vergangenen drei Jahren übernimmt der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, die Schirmherrschaft. Kulturpartner ist NDR Kultur.
Karten und Informationen sind unter 038378.34647 erhältlich. Das komplette Programm ist unter www.usedomer-literarturtage.de zu finden.
Mittwoch, der 28. März 2012 17:34 Uhr
Zwischen Verrat und diktatorischer Staatsgewalt: Eginald Schlattners „Rote Handschuhe“ als Film mit anschließendem Gespräch
Mit der Inselrundfahrt den Norden Usedoms literarisch-musikalisch bereisen
Pressemitteilung
28. März 2012
Der deutsche Pfarrer und Schriftsteller Eginald Schlattner aus Siebenbürgen wurde in den 50er Jahren von der rumänischen Staatsmacht verhaftet und wegen „Nichtanzeige und Hochverrat“ verurteilt. Am Freitag, den 30. März, 18 Uhr, liest Eginald Schlattner im Hotel Palace in Zinnowitz aus seinem autobiographischen Roman „Rote Handschuhe“. Darin verarbeitet er seine Vergangenheit, die von der Unmenschlichkeit der Diktatur geprägt ist. Radu Gabrea verfilmte 2010 Eginald Schlattners Werk. Nach der Präsentation des Filmes werden der Autor und der Regisseur im Gespräch mit Andreas Kossert die Verhältnisse von Deutschen und Rumänen im sozialistischen Rumänien näher beleuchten.
Eginald Schlattner wird Ende der 1950er Jahre als regimekritischer Student von der Securitate, dem rumänischen Geheimdienst, festgenommen. Nach Monaten schwerer Verhöre gibt er – damals vom Kommunismus überzeugt – Informationen über andere regimekritische Autoren preis. In seinem kontrovers diskutierten Roman „Rote Handschuhe“ (2000) rekapituliert Schlattner minutiös den Psychoterror des rumänischen Geheimdienstes. Schlattners Erinnerungen sind ein Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte und Zeugnis einer radikalen Selbsterforschung.
Im Wandel der Geschichte und der Geografie eines Landes zeigen sich die Hauptfiguren aus den Romanen der Schriftstellerinnen Joanna Bator und Eleonora Hummel. Beide lesen unter dem Titel „Starke Frauen“ am Donnerstag, 29. März, 19 Uhr, im Café Centrala in Swinemünde und erzählen in der deutsch-polnischen Veranstaltung die Geschichte von Familien, deren Leben von Vertreibung, Flucht und Enteignung geprägt wurde. Gibt es in einer sich ständig verändernden Gesellschaft so etwas wie ein Heimatgefühl? Kann man sich in einem Land heimisch fühlen, in dem man seine Muttersprache nicht mehr sprechen darf? Fragen, die beide Autorinnen gemeinsam mit dem Moderator und Dramaturgen der Usedomer Literaturtage Thomas Schulz erörtern werden.
Joanna Bator entführt den Leser in ihrem 2011 erschienenen Roman „Sandberg“ in die Provinz Walbrzych, ehemals Waldenburg. Anhand der Schicksale, Ängste und Träume zeichnet sie ein typisches Bild über das Leben in der polnischen Provinz zur Zeit der sozialistischen Diktatur. Nicole Henneberg von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung meint, einen vergleichbaren Einblick in die polnische Seele auf dem gegenwärtigen Buchmarkt vergebens zu suchen.
Eine ähnlich packende Familiengeschichte liefert Eleonora Hummel mit ihrem Debüt „Die Fische von Berlin“ und lenkt den Blick auf das Schicksal der Russlanddeutschen zwischen neuer Hoffnung und sozialistischer Bürokratie. Eleonora Hummel selbst wurde in Kasachstan geboren und kam 1982 mit ihrer Familie nach Dresden, wo sie noch heute lebt.
Mit der beliebten Literarischen Inselrundfahrt kann man am Freitag, den 30. März (10-15:30 Uhr) den Norden Usedoms entdecken. In Zempin, Mölschow, Trassenheide und im Historisch-technischen Museum Peenemünde werden Manfred Osten und Franziska Franke Lyrik und Kurzprosa von polnischen, rumänischen und deutschen Schriftstellern lesen. Eine Stärkung zum Mittag ist in Karlshagen geplant. Musikalisch begleitet wird die Fahrt von den Studentinnen der Hochschule für Musik und Theater Leipzig Corinna Schulz, Oboe, und Bettina Fritz, Flöte. Beginn ist um 10 Uhr im Inselhof in Zempin. Ein Buszustieg ist ab Ahlbeck möglich (Stationen: 9:00 Uhr HDE Ahlbeck, 9:10 Uhr Maritim Hotel Heringsdorf, 9:20 Uhr Öffentliche Haltestelle Sky Bansin). 15:30 Uhr endet die Fahrt wieder am Inselhof in Zempin. Der Bus fährt dann weiter nach Ahlbeck, mit einem zusätzlichen Haltepunkt im Hans-Werner-Richter-Haus (zur Lesung 16 Uhr).
Seit dem 12. Jahrhundert sind deutsche Siedler, von ungarischen Königen berufen, in die Karpatenregion gezogen um das Land urbar zu machen und Feinde abzuwehren, wodurch eine Vielzahl von Kirchen und Burgen entstanden. Noch heute erinnert der Name Siebenbürgen an die sieben Burgen deutscher Siedler. Diesem Teil der Geschichte Rumäniens widmet sich Arne Franke am Freitag, den 30. März, 16 Uhr, im Hans-Werner-Richter-Haus in Bansin. Mit Illustrationen und Bildern zeigt er die noch heute vorhandenen Ruinen, Burgen und Kirchen mit ihren Altären, Orgeln und Taufbecken. Moderiert wird der Nachmittag von dem Osteuropa-Experten Harald Roth, der das Vorwort zu Arne Frankes Buch „Das wehrhafte Sachsenland“ schrieb.
Karten und Informationen sind unter 038378.34647 erhältlich. Das komplette Programm ist unter www.usedomer-literarturtage.de zu finden.
Dienstag, der 27. März 2012 17:15 Uhr
Die Wahrheit über Dracula und ein ungetrübter Blick auf Rumänien
Usedomer Literaturtage werden am Mittwochabend mit preisgekröntem Dokumentarfilm eröffnet
Pressemitteilung
27. März 2012
Rumänien – ein Land, über das eher am Nebentisch diskutiert und immer wieder auf Dracula reduziert wird, rückt zu den Usedomer Literaturtagen thematisch in den Mittelpunkt. Beleuchtet werden vom 28. März bis zum 1. April dessen wortreiche Landschaften, die von Rumänen, Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben, Armeniern, Juden, Ungarn und Österreichern erzählen. Erstmalig werden die Usedomer Literaturtage mit einem Film und anschließender Lesung und Diskussion eröffnet. Am Mittwoch, 28. März, 18 Uhr, ist im Hotel Esplanade in Heringsdorf der meisterhafte Dokumentarfilm „Die Wahrheit über Dracula“ von Stanislaw Mucha zu sehen. Der polnische Regisseur und Grimme-Preisträger begegnet den Dracula-Klischees mit Witz und Ironie und macht den Blick frei auf das heutige Rumänien. Entstanden ist mit diesem Film ein beeindruckendes Portrait des Karpatenstaates.
Stanislaw Muchas Film ist 2010 in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk und Arte entstanden und wurde auf den wichtigen Filmfestivals bereits gezeigt, u.a. zur Eröffnung der Dokumentarfilmwoche in Hamburg, beim Filmfestival „Lichter“ Frankfurt/M., bei den Bozner Filmtagen in Italien sowie beim Dokumentarfilmfestival in München. 2012 erhielt der Film eine Nominierung für den Grimme-Preis. Mucha gilt als spezieller Kopf für osteuropäische Skurrilitäten. Dies bewies er 2001 in seinem mehrfach ausgezeichneten (Grimme-Preis, Preis der deutschen Filmkritik u.a.) Dokumentarfilmdebüt „Absolut Warhola“, in dem er auf abenteuerliche Weise den Verwandtschaftsverhältnissen von Andy Warhol in zwei kleinen Dörfern zwischen der Slowakei, Polen und der Ukraine nachgeht.
Zur Eröffnung der Usedomer Literaturtage diskutiert nach der Filmvorführung Ilma Rakusa (Journalistin und Übersetzerin, u.a. Die Zeit, Neue Zürcher Zeitung) mit Ernest Wichner (Dichter, Übersetzer und Leiter des Literaturhauses Berlin), Regisseur Stanislaw Mucha und Tanja Dückers (Schriftstellerin und Publizistin) unter dem Veranstaltungstitel „Das Land am Nebentisch oder wortreiche Landschaft“. Zudem lesen die Schriftsteller aus ihren Werken, die sich um Siebenbürgen, dem Banat und Bukarest ranken. Tanja Dückers, deren Gedichtband „Fundbüros und Verstecke“ in diesem Monat erschienen ist, wurde 2006 vom Deutschen Historischen Museum zu den zehn wichtigsten Schriftstellerinnen unter 40 und den 100 kreativsten Köpfen Deutschlands gewählt. Neben ihrem schriftstellerischen Wirken verfasste sie bis Ende 2007 Kolumnen für die Frankfurter Rundschau und schreibt seit 2008 gesellschaftspolitische Essays für ZEIT Online.
Die Usedomer Literaturtage begleitend, ist in der Villa Irmgard in Heringsdorf die Ausstellung „In Tallinn leben – Geschichten von Menschen und Häusern“ zu sehen, die am 29. März, 16 Uhr, eröffnet wird. Die junge Schriftstellerin Sarah Jana Portner arbeitete als Stadtschreiberin in Tallinn, gefördert vom Deutschen Kulturforum östliches Europa, und schaute dabei den Menschen der estnischen Hauptstadt genau hinter die Fassade. Ihre überraschenden Einblicke sind bis Ende April in Heringsdorf zu entdecken. (täglich von 10-18 Uhr, montags geschlossen) Über ihre Zeit als Stadtschreiberin berichtet Sarah Jana Portner zudem in der Schullesung am 30. März.
Bis zum 1. April werden außerdem Eginald Schlattner, Joanna Bator, Eleonora Hummel, Georg Aescht, Jan Koneffke, Andreas Kossert, Filmemacher Radu Gabrea sowie Pianist und Autor Alfred Brendel auf der Insel erwartet. Zum Abschluss der Usedomer Literaturtage wird am Sonntag, 1. April, 11 Uhr, im Atelier Otto Niemeyer-Holstein (Koserow) der mit 5.000 Euro dotierte Usedomer Literaturpreis 2012 an de polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk verliehen. Der Preis ist zudem mit einem vierwöchigen Aufenthalt im Ahlbecker Hof verbunden. Die Laudatio hält die Literaturkritikerin Marta Kijowska.
Auch die vierten Usedomer Literaturtage sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Usedomer Musikfestivals in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa sowie der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf. Wie in den vergangenen drei Jahren übernimmt der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, die Schirmherrschaft. Kulturpartner ist NDR Kultur. Durch Literatur die Geschichte der Deutschen und der Völker östlich der Landesgrenze verstehen, ungekannte Sichtweisen entdecken und Vorurteile überwinden. Das motiviert seit 2009 Autoren wie Radka Denemarková, Christoph Hein, Martin Pollack, Hellmuth Karasek, Andreas Kossert, Stefan Chwin und Marek Krajewski auf die Sonneninsel Usedom zu kommen.
Karten zu 12 Euro, Ermäßigungsberechtigte 6 Euro, mit NDR Kultur Karte 15% Ermäßigung
Karten und Informationen sind unter 038378.34647 erhältlich. Das komplette Programm ist unter www.usedomer-literarturtage.de zu finden.
Freitag, der 2. März 2012 17:12 Uhr
Usedomer Literaturpreis 2012 wird an die polnische Autorin Olga Tokarczuk verliehen
Usedomer Literaturtage begehen vom 28. März bis 1. April 2012 „Wortreiche Landschaften zwischen der Ostsee und den Karpaten"
Pressemitteilung
2. März 2012
Den Usedomer Literaturpreis 2012 erhält die polnische Autorin Olga Tokarczuk. Dies entschied die Jury, bestehend aus dem Schriftsteller Prof. Dr. Hellmuth Karasek, dem Historiker und Autor Dr. Andreas Kossert und der Direktorin des Deutschen Kulturforums östliches Europa Dr. Doris Lemmermeier. Den Namen der Preisträgerin gab Thomas Hummel, Intendant des Usedomer Musikfestivals und Mitveranstalter der Usedomer Literaturtage, auf der heutigen Pressekonferenz in Bansin bekannt. Überreicht wird die Auszeichnung am 1. April (11 Uhr) zum Abschluss der Usedomer Literaturtage in einer Festveranstaltung im Atelier Otto Niemeyer-Holstein, Koserow. Die Laudatio hält die Münchner Literaturkritikerin Marta Kijowska. Die musikalische Umrahmung übernimmt das Signum Saxophonquartett, Preisträger des Usedomer Musikfestivals 2011. Der Usedomer Literaturpreis wird bereits zum zweiten Mal verliehen. 2011 wurden damit die tschechische Autorin Radka Denemarková und ihre Übersetzerin Eva Profousová gewürdigt. Der Usedomer Literaturpreis, gestiftet von der Seetel Hotelgruppe und den Usedomer Literaturtagen, ist mit 5.000 Euro dotiert und ermöglicht der Preisträgerin zusätzlich einen Arbeitsaufenthalt auf der Insel Usedom im Romantikhotel Ahlbecker Hof. Damit sollen die literarischen Spuren, die u.a. Theodor Fontane, Maxim Gorki oder Thomas Mann auf der Insel Usedom hinterlassen haben, fortgeführt werden.
Olga Tokarczuk erhält den Usedomer Literaturpreis 2012 für ihr bisheriges Oeuvre, in dem sie u.a. die Thematik der mitteleuropäischen Grenzregion Niederschlesiens aufgreift. Sie setzt sich mit der Vergangenheit dieses Gebietes auseinander, beschreibt die Gegenwart und schlägt eine Brücke in die Zukunft. Die 1962 geborene Autorin zählt zu den bekanntesten und bedeutendsten Schriftstellerinnen ihres Landes. Die mutigen, bisweilen radikalen Inhalte, die sie aufgreift, kleidet Olga Tokarczuk in eine klare, ruhige Sprache, voller poetischer Mystik.
Der europäische Dialog ist seit Beginn der Usedomer Literaturtage im Jahr 2009 deren Leitmotiv. Auch in der vierten Auflage der überaus erfolgreichen Veranstaltungsreihe (28. März bis 1. April 2012) stehen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Geschichte zwischen Deutschen und deren östlichen Nachbarn auf dem Programm. Wie weit dabei die deutschen Spuren nach Rumänien sowie Estland, Kasachstan und Niederschlesien reichen, beleuchten die Usedomer Literaturtage 2012. Den Schwerpunkt bilden die reichen Kulturlandschaften Siebenbürgens, des Banats und der Bukowina. Erzählt wird von Regionen, die von Rumänen, Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben, Armeniern, Juden, Ungarn und Österreichern gestaltet wurde. Auf Usedom werden namhafte Autoren, Übersetzer und Publizisten aus Deutschland, Polen und Rumänien erwartet, u.a. Eginald Schlattner, Tanja Dückers, Ernest Wichner, Joanna Bator, Eleonora Hummel, Arne Franke und Georg Aescht, die Filmemacher Radu Gabrea und Stanislaw Mucha sowie die auf der Insel bereits bekannten Autoren Jan Koneffke und Andreas Kossert. Außerdem ist der Pianist, Musikschriftsteller und Dichter Alfred Brendel im Gespräch mit Manfred Osten zu erleben. (31. März, 11 Uhr, Steigenberger Grandhotel, Heringsdorf).
Eröffnet werden die Usedomer Literaturtage am 28. März (18 Uhr, Hotel Esplanade, Heringsdorf) mit dem Film „Die Wahrheit über Dracula“ von Stanislaw Mucha, der für den diesjährigen Grimme-Preis nominiert ist. Mit Witz, Ironie und einem einzigartigen Gespür für das Auffinden von Kuriositäten stellt er das Dracula-Klischee auf den Kopf und zeichnet dabei ein faszinierendes Portrait des heutigen Rumäniens. Nach dem Film diskutieren Ilma Rakusa (Journalistin und Übersetzerin, u.a. Die Zeit, Neue Zürcher Zeitung) Ernest Wichner (Dichter, Übersetzer und Leiter des Literaturhauses Berlin), Tanja Dückers (Schriftstellerin und Publizistin) und Regisseur Stanislaw Mucha unter dem Veranstaltungstitel „Das Land am Nebentisch oder wortreiche Landschaft“. Zudem lesen die Schriftsteller aus ihren Werken, die sich um Siebenbürgen, dem Banat und Bukarest ranken.
Die traditionelle Lesung auf dem polnischen Teil der Insel Usedom bestreiten die beiden Autorinnen Joanna Bator („Sandberg“) und Eleonora Hummel („Die Venus im Fenster“) am 29. März, 19 Uhr, im Restaurant Centrala in Swinemünde. Unter dem Titel „Starke Frauen in der Hauptrolle“ lesen die Schriftstellerinnen aus ihren Romanen und spiegeln damit das Leben in Orten wider, das von Sozialismus, Vertreibung, Aussiedlung und Krieg geprägt wurde. Die im ehemaligen Wałbrzych/ Waldenburg geborene Joanna Bator gilt als die wohl stärkste neue Stimme der polnischen Literatur und schuf mit ihrem Roman Sandberg ein meisterliches Bild polnischer Geschichte aus dem Blickwinkel der sozialistischen Provinzstadt. Eleonora Hummel, geboren in Kasachstan, siedelte nach einer kurzen Zwischenstation im Nordkaukasus 1982 mit ihrer Familie nach Dresden über. Ihr Debütroman „Die Fische von Berlin“ wurden 2006 mit dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis ausgezeichnet. Moderiert wird der deutsch-polnische Abend vom Dramaturgen der Usedomer Literaturtage Thomas Schulz.
In die Fänge der rumänischen Staatsmacht gelangte der aus Siebenbürgen stammende Pfarrer und Schriftsteller Eginald Schlattner. Darüber berichtet er am 30. März, 18 Uhr, im Hotel Palace, Zinnowitz. Mit seinem Roman „Rote Handschuhe“ dokumentiert er die Verhältnisse im stalinistischen Rumänien. Die Verfilmung des Buches von Radu Gabrea ist ebenfalls in der Veranstaltung in Zinnowitz zu sehen. Die anschließende Diskussion mit dem Regisseur und Eginald Schlattner wird von Andreas Kossert moderiert.
Unter dem Titel „Mit deutschem Migrationshintergrund auf dem Balkan“ begeben sich Jan Koneffke und Filip Florian mit ihren Romanen in ein für ihre deutschen Hauptfiguren unbekanntes Land. Beide Schriftsteller widmen sich am 31. März (19 Uhr, Schloss Stolpe, Stolpe auf Usedom) Rumänien und seiner Hauptstadt Bukarest im 19. Jahrhundert und nach 1934. Der aus Bukarest stammende Filip Florian gilt als eine der großen Begabungen der osteuropäischen Literatur und wurde u.a. vom rumänischen Schriftstellerverband für das beste Prosa-Debut 2006 ausgezeichnet. Jan Koneffke pendelt zwischen Wien, Bukarest und Maneciu, einem Dorf in den Südkarpaten, und schrieb mit „Die 7 Leben des Felix Kannmacher“ ein historisches Werk und Künstlerepos zugleich. Moderiert wird die Lesung von Georg Aescht, der in Siebenbürgen geboren wurde und heute als Redakteur in Bonn arbeitet.
Die Usedomer Literaturtage begleitend, ist in der Villa Irmgard in Heringsdorf die Ausstellung „In Tallinn leben – Geschichten von Menschen und Häusern“ zu sehen, die am 29. März, 16 Uhr, eröffnet wird. Die junge Schriftstellerin Sarah Jana Portner arbeitete als Stadtschreiberin in Tallinn, gefördert vom Deutschen Kulturforum östliches Europa, und schaute dabei den Menschen der estnischen Hauptstadt genau hinter die Fassade. Ihre überraschenden Einblicke sind bis Ende April in Heringsdorf zu entdecken. Über ihre Zeit als Stadtschreiberin berichtet Sarah Jana Portner zudem in der Schullesung am 30. März. Die Moderation übernimmt Paulina Schulz.
Außerdem erwartet das Publikum ein künstlerisches Portrait der Literaturstadt Czernowitz von und mit Oskar Ansull (31. März, 15 Uhr, Ahlbecker Hof, Ahlbeck) sowie die Literarische Inselrundfahrt (30. März, 10-16 Uhr), die per Bus den Norden von Usedom entdeckt. Manfred Osten und Franziska Franke lesen kurze Texte und Gedichte von deutschen und rumänischen Autoren. Musikalisch umrahmt wird die Fahrt von Studenten der Musikhochschule Leipzig.
Auch die vierten Usedomer Literaturtage sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Usedomer Musikfestivals in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa sowie der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf. Wie in den vergangenen drei Jahren übernimmt der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, die Schirmherrschaft. Kulturpartner ist NDR Kultur. Durch Literatur die Geschichte der Deutschen und der Völker östlich der Landesgrenze verstehen, ungekannte Sichtweisen entdecken und Vorurteile überwinden. Das motiviert seit 2009 Autoren wie Radka Denemarková, Christoph Hein, Martin Pollack, Hellmuth Karasek, Andreas Kossert, Stefan Chwin und Marek Krajewski auf die Sonneninsel Usedom zu kommen.
Karten und Informationen sind unter 038378.34647 erhältlich. Das komplette Programm ist unter www.usedomer-literarturtage.de zu finden.
Donnerstag, der 9. Februar 2012 17:32 Uhr
ULT 2012: Mehr als Dracula – Usedomer Literaturtage widmen sich Rumänien
28. März – 1. April 2012: „Wortreiche Landschaften zwischen der Ostsee und den Karpaten“
Pressemitteilung
9. Februar 2012
Von der Ostsee aus bewegen sich die Usedomer Literaturtage vom 28. März bis 1. April thematisch in Richtung Süden, nach Rumänien. Die Veranstaltungsreihe auf deutscher und polnischer Seite der Insel Usedom beschäftigt sich mit den wortreichen, leider zu wenig bekannten Kulturlandschaften Siebenbürgen, dem Banat und der Bukowina mit deren deutschen Verknüpfungen. War einst Dracula die prägende Figur dieser Region hinterfragen die Literaturtage die Klischees um die mystische Gestalt und machen den Blick frei auf eine vielschichtige Literaturszene, betrachtet aus deutscher, rumänischer und rumäniendeutscher Perspektive. Dabei wird die Kultur, Literatur und Geschichte eines Landstrichs aufgefächert, deren historische Ereignisse sowohl von friedlichem Miteinander, als auch von Kriegen, Deportation und Diskriminierung gezeichnet sind und das Leben von Rumänen, Siebenbürger Sachsen, Armeniern, Juden, Ungarn und Österreichern erzählen. Zum Abschluss der Literaturtage wird am 1. April zum zweiten Mal der Usedomer Literaturpreis verliehen, gestiftet von der Seetel Hotelgruppe.
Zu erwarten sind zu den Usedomer Literaturtagen namhafte Autoren, Übersetzer und Publizisten aus Deutschland, Polen und Rumänien, u.a. Eginald Schlattner, Ernest Wichner, Joanna Bator, Eleonora Hummel und Georg Aescht, Filmemacher Radu Gabrea und Stanislaw Mucha sowie auf der Insel Usedom bereits bekannte Autoren wie Jan Koneffke und Andreas Kossert. Freuen darf sich das Publikum auch auf den Pianisten und Autor Alfred Brendel. Der Charakterkopf des Klaviers und der Poesie ist am 31. März, 11 Uhr (Steigenberger Grandhotel, Heringsdorf) im Gespräch mit Manfred Osten zu erleben.
Mit dem Film „Die Wahrheit über Dracula“ von Stanislaw Mucha, der im November 2011 auf ARTE Premiere feierte, werden die Usedomer Literaturtage am 28. März (18 Uhr, Hotel Esplanade, Heringsdorf) eröffnet. Unter dem Titel „Das Land am Nebentisch oder wortreiche Landschaft“ spricht Ilma Rakusa (Journalistin und Übersetzerin, u.a. Die Zeit, Neue Zürcher Zeitung) mit dem Leiter des Literaturhauses Berlin Ernest Wichner, der Schriftstellerin und Publizistin Tanja Dückers und dem Regisseur Stanislaw Mucha. Zudem fließen Texte, die von Bukarest, Hermannstadt und der Provinz erzählen – immer auf der Suche nach dem wahrhaftigen Bild eines Landes entlang der Karpaten.
Vom 28. März bis zum 1. April erwartet das Publikum neben Lesungen, Diskussionen, Schullesungen auch die beliebte literarische Inselrundfahrt und die Ausstellung von Sarah Jana Portner: „In Tallinn leben – Geschichten von Menschen und Häuser“. Sarah Jana Portner war 2011 als Stipendiatin des Deutschen Kulturforum Östliches Europa Stadtschreiberin in der historischen Hansemetropole Tallinn.
Auch die vierten Usedomer Literaturtage sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Usedomer Musikfestivals in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa sowie der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf. Wie in den vergangenen drei Jahren übernimmt der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, die Schirmherrschaft. Kulturpartner ist NDR Kultur.
Karten und Informationen sind unter 038378.34647 erhältlich. Das komplette Programm ist unter www.usedomer-literarturtage.de zu finden.
Montag, der 4. April 2011 17:32 Uhr
ULT 2011: Usedomer Literaturtage gingen mit Verleihung des ersten Usedomer Literaturpreises zu Ende
Hellmuth Karasek überreichte Preis an Radka Denemarková und Eva Profousová Erfolgreiche Bilanz der Literaturtage unter dem Thema „Grenzlandgeschichten zwischen Deutschland, Polen und Tschechien“
Pressemitteilung
4. April 2011
Mit der Verleihung des ersten Usedomer Literaturpreises gingen gestern, am 3. April, die Usedomer Literaturtage 2011 zu Ende. In einer feierlichen Veranstaltung im Atelier Otto-Niemeyer-Holstein, Koserow, überreichte Dr. Hellmuth Karasek den Preis an die tschechische Autorin Radka Denemarková und ihre Übersetzerin Eva Profousová. Die Jury, bestehend aus Prof. Dr. Hellmuth Karasek, Dr. Andreas Kossert und Dr. Doris Lemmermeier schrieb in der Begründung: „Radka Denemarková schuf ein herausragendes und kompromissloses Werk über die deutsch-jüdisch- tschechische Kriegs- und Nachkriegsgeschichte. Mit sprachlicher Eindringlichkeit, packendem Realismus und historischer Tiefgründigkeit erzählt sie den erschütternden Lebensweg der Romanprotagonistin und setzt damit ein gewichtiges Zeichen für Gerechtigkeit und Verständigung.“
Basierend auf der thematischen Ausrichtung der Literaturtage, werden jährlich Literaten ausgezeichnet, die sich in hohem Maße dem Europäischen Dialog in Geschichte und Gegenwart verpflichtet fühlen. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis, gestiftet von der Seetel Hotelgruppe und den Usedomer Literaturtagen, beinhaltet darüber hinaus einen vierwöchigen Aufenthalt auf der Insel Usedom, im Romantikhotel Ahlbecker Hof. Damit soll auch in Zukunft der Gedankenaustausch gefördert und die literarische Tradition auf der Insel, verbunden u.a. mit Maxim Gorki, Theodor Fontane und Thomas Mann, fortgeführt werden.
Im Zentrum des Romans „Ein herrlicher Flecken Erde“ von Radka Denemarková steht das Schicksal einer Frau, die in ihrem Leben durch mehrere Höllen gehen musste: von den Nazis als Jüdin gequält, von den Tschechen als Kollaborateurin vertrieben, schließlich von den ehemaligen Nachbarn als habgierige Alte abgestempelt, als sie 50 Jahre später ihre Familie rehabilitieren will. Doch trotz aller körperlicher und emotionaler Wunden führt Gita Lauschmannová den Kampf gegen Unrecht und für Verständigung weiter. Ergreifend schildert dieser preisgekrönte Roman die menschliche Seite der unmenschlichen Geschichte. Radka Denemarková erhielt für ihr Buch den wichtigsten tschechischen Literaturpreis, Magnesia Litera Preis, für die beste Prosa.
Erfolgreiche Bilanz
Die Usedomer Literaturtage widmeten sich vom 30. März bis 3. April 2011 einem wichtigen Ort auf der literarischen Landkarte – der Grenzlandschaft. Polnische, tschechische und deutsche Autoren betrachteten aus vergangenem und gegenwärtigem Blick die sensiblen Beziehungen zwischen den drei Ländern nach dem zweiten Weltkrieg. In Diskussionsrunden appellierten sie an die vorurteilsfreie, unbelastete Aufarbeitung der Geschichte sowie an ein Aufeinanderzugehen der Nachbarn ohne imaginäre Grenzen in den Köpfen.
Wie im vergangenen Jahr besuchten rund 800 Literaturinteressierte die vielfältigen Veranstaltungen der Usedomer Literaturtage. Einleitend stand der Eröffnungsabend in Bansin unter dem Thema „Grenzgänger“ und zeigte verbunden durch die Moderation von Basil Kerski drei verschiedene Sichtweisen auf Deutschland, Polen und Tschechien von Martin Pollack, Wlodzimierz Nowak und
Mariusz Surosz. Gemeinsam mit Andreas Kossert näherte sich Martin Pollack am Samstagabend einer auf der Landkarte verschwundenen und vergessenen Region Galiziens und der Bukowina und zog mit seinem aktuellen Werk „Kaiser von Amerika“ Parallelen zur heutigen Migrationsproblematik. Ebenfalls auf Spurensuche nach Galizien und Schlesien begaben sich Olga Tokarczuk und Sabrina Janesch in ihrer zweisprachigen Lesung am Samstagvormittag in Swinemünde, die vom Dramaturgen der Literaturtage, Thomas Schulz, moderiert wurde. Die beiden Autorinnen schilderten mit unterschiedlichen Herangehensweisen Träume, Mythen und familiäre Geschichten, die einer vergangenen Zeit anhaften und sich mit dem Heute mischen.
Radka Denemarková stellte ihren Roman „Ein herrlicher Flecken Erde“ in einer gemeinsamen Lesung mit ihrem Landsmann Jaroslav Rudiš vor, der in „Grandhotel“ ein spannendes wie unterhaltsames Bild der tschechischen Provinz, ihrer böhmischen Geschichte und der Gegenwart zeichnet. Moderiert wurde der Abend im Hotel Usedom Palace in Zinnowitz von Eva Profousová, die beide Romane in die deutsche Sprache übertrug.
Einblicke in die tschechische Geschichte sowie Ansichten über das Verhältnis zu Deutschland lieferte Schriftsteller und Diplomat Jiri Gruša im Gespräch mit Manfred Osten im Hotel Esplanade in Heringsdorf. Eine literarische Reise durch das Leben des Prager Schriftstellers Johannes Urzidil unternahmen Vera Schneider und Klaus Johann und präsentierten im Hans-Werner-Richter-Haus Banson ihr Lesebuch „Hinternational“. Herausgegeben wurde das Buch vom Deutschen Kulturforum östliches Europa, deren Direktorin Dr. Doris Lemmermeier einführende Worte sprach.
Wie in den vergangenen beiden Jahren wurde das Programm durch die Literarische Inselrundfahrt und eine Schülerlesung ergänzt. Im Bahnhof Heringsdorf trafen sich Schüler aus Heringsdorf, Ahlbeck, Ückeritz und Swinemünde und folgten der zweisprachigen Veranstaltung mit Sabrina Janesch und Paulina Schulz. Noch bis zum 11. Mai ist die Ausstellung „Der Fotograf ist da“ in der Villa Irmgard in Heringsdorf zu sehen. Zu entdecken sind Bilder Ostpreußens aus der Sammlung des Provinzdenkmalamtes in Königsberg, die das damalige Alltagsleben in den Städten und auf dem Land schildern.
Die Usedomer Literaturtage sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Usedomer Musikfestivals in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa sowie der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf. Wie 2009 und 2010 übernahm der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, die Schirmherrschaft. Kulturpartner ist NDR Kultur. Unterstützt werden die Literaturtage vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern, Sponsoren und Förderern. Kofinanziert werden sie aus Mitteln des Europäischen Fonds zur regionalen Entwicklung INTERREG IV A.
Weitere Informationen: 038378.34647 sowie www.usedomer-musikfestival.de


